„Smoking hot“ – Was würde Marlene Dietrich wohl heute tragen?

Aktualisiert: 26. Feb.

Was, wenn wir Selbstbewusstsein wie ein Kleidungsstück anlegen könnten? Würden wir nicht sofort losziehen, diese Art der Bekleidung ausfindig machen und sie fortan wie eine zweite Haut bei jeder Gelegenheit tragen? - Die provokante Geschichte des Hosenanzugs und was die Schauspielerin und Stilikone Marlene Dietrich damit zu tun hatte.


Statt vor Selbstbewusstsein nur so zu strotzen, ziehen wir Frauen es oft vor, lieber ausgiebig in Selbstzweifeln zu baden. Warum das so ist, darüber lässt sich vieles sagen und auch gerne darüber streiten. Vielleicht wünschen wir uns sogar manchmal, ein wenig mehr wie Männer zu sein, denen in diesem Punkt nachgesagt wird, dass sie immer von sich überzeugt wären, Stärke ausstrahlen und sich gut finden, egal ob sie es sind oder nicht. Was auch immer die Gründe und die Wünsche sind: Selbstbewusstsein kann man ausstrahlen, egal wie es im Inneren aussieht. Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung können sehr differieren. Und manches Mal ist das selbstbewusste Auftreten, auch wenn es innerlich noch nicht so empfunden wird, ein gutes Training - eines, das mit der Zeit nach Innen abfärben kann. Wie aber demonstriere ich Selbstbewusstsein nach Außen?



Was schon Marlene Dietrich wusste Das, was wir an anderen am stärksten wahrnehmen, wenn wir ihnen begegnen und mit ihnen sprechen, ist das Aussehen (etwa 70%). Auf der anderen Seite machen die Stimme nur 20% und der Inhalt des Gesagten nur 10% aus. Wie wichtig deshalb Kleidung für den Eindruck ist, den man anderen über sich selbst vermittelt, liegt auf der Hand. Eine Frau, die sich dieses Wissen zunutze machte, war Marlene Dietrich. Sie wurde 1901 in Berlin geboren und startete ihre große Karriere als Schauspielerin in den 1930er Jahren. Vom American Film Institute wurde sie später zu einer der 25 größten weiblichen Leinwandlegenden gewählt.

Sie war aber nicht nur eine gute Schauspielerin, sondern auch eine Stilikone, denn ihre Outfits haben sie ebenfalls berühmt gemacht. Ihre revolutionäre Art, sich zu kleiden, verlieh ihr eine selbstbewusste Aura, die später Frauen aus aller Welt nachahmen wollten.


Eine der wohl bekanntesten und provokantesten Szenen dürfte ihr Auftritt als Lola in dem Film „Der blaue Engel“ sein, in dem sie in Strapsen und Zylinder auf einem Fass sitzend singt. Eine Frau in Unterwäsche und mit einem Kleidungsstück, das damals ausschließlich Männern vorbehalten war (der Zylinder) – könnte es noch skandalöser sein?

Ja, das konnte es. In ihrem ersten amerikanischen Film „Morocco“ tritt sie als Frau in kompletter Männerbekleidung auf, genauer gesagt in einem Hosenanzug. Das mag sich für heutige Verhältnisse nicht unbedingt spektakulär anhören. Wenn man allerdings bedenkt, dass es bis in die 1950er Jahre hinein möglich war, als Frau für das Tragen von Männerkleidung mit dem Vorwurf „sich als Mann auszugeben“ verhaftet zu werden, gibt das eine Vorstellung davon, wie revolutionär dieser Auftritt von Marlene Dietrich war. Sie hat das Tragen von maskuliner Kleidung und damit ganz explizit den Männeranzug salonfähig

gemacht. Ihrem Beispiel folgten danach berühmte und weniger berühmte Frauen und heute ist der Hosenanzug in der Modebranche auch für Frauen nicht mehr wegzudenken.


Der Hosenanzug heute – selbstbewusstes Statement, Rüstung oder sexy Versprechen? Heute ist das Tragen eines Hosenanzugs ganz sicher nicht mehr aufsehenerregend oder gar skandalös. Dank der „Hosenanzug-Revolution“ können wir ihn heute sogar ganz ungeniert tragen, ohne Angst vor einer möglichen Verhaftung haben zu müssen. Und trotzdem liegt noch immer etwas Besonderes in dieser Kleidung.

Marlene Dietrich verkörperte damals mit jener Art sich zu kleiden die Befreiung von gesellschaftlichen Rollenbildern. Sie trug damit auf ihre Weise zur Emanzipation der Frau bei. In unseren Köpfen hat sich dies wie ein Symbol eingebrannt und so hat der Hosenanzug noch heute einen Touch von selbstbewusstem Statement in der Öffentlichkeit.

Manchmal geht es uns nicht gut. Wir fühlen uns verletzlich, wollen dies aber nicht nach Außen tragen, wenn wir zum Beispiel im Business funktionieren müssen. Dann kann der Hosenanzug auch als eine Art Rüstung dienen, die eine gewisse Abschottung gegenüber anderen bewirkt und uns trotz innerlicher Zweifel selbstbewusst strahlen lässt.


Ja, der Hosenanzug dient heute vielen Frauen in der Politik oder im Business als eine eher unspektakuläre und moderne Art sich zu kleiden. Wenn wir uns allerdings vorstellen wollen, was Marlene Dietrich wohl heute tragen würde, dann wäre dies vielleicht vielmehr eine glamouröse Kombination, die die männliche und weibliche Seite vereint. Ein knalliges Farben-Feuerwerk oder ein sexy Versprechen. Genau das ist „Smoking hot“ – eine Kollektion, die auf ihre Art und Weise eine Frau in einem revolutionären, selbstbewussten Licht erscheinen lässt.